Stress, Schmerz und Trauma: Warum wir aufhören dürfen, das Leben zu bekämpfen
- Laura Lombardini
- 8. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
In unserer modernen Welt scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben: Wir sollen immer funktional, glücklich und entspannt sein. Stress gilt als der Feind, unangenehme Gefühle als Fehler im System. Doch wer versucht, alles Negative zu vermeiden, gerät oft in einen noch erschöpfenderen Kampf gegen sich selbst.
Die Wahrheit ist: Unser Nervensystem ist nicht dafür gebaut, dauerhaft in einer Wellness-Oase zu verweilen. Es ist dafür gemacht, auf das Leben zu reagieren - auf all die grossen und kleinen Herausforderungen, Begegnungen und Veränderungen.
Eustress und Distress: Die Dosis macht den Unterschied
Stress ist zunächst nichts anderes als ein biologisches Mobilisierungsprogramm. Er stellt uns Energie zur Verfügung, damit wir handeln können. Eustress, der sogenannte gute Stress, zeigt sich zum Beispiel vor einer Herzensangelegenheit, bei einem Sportwettkampf oder in der Vorfreude auf ein Projekt. Er motiviert uns, macht uns lebendig und lässt uns über uns hinauswachsen. Ohne ihn wären wir antriebslos.
Distress entsteht, wenn wir das Gefühl haben, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Wenn die Aktivierung im System bleibt, aber keine ausreichende Erholung folgt, erleben wir Überforderung, Erschöpfung oder innere Anspannung.
Das Problem ist also nicht Stress an sich, sondern das Fehlen von Regulation und Erholung. Ein gesundes Nervensystem pendelt zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Aktivierung und Ruhe.
Unangenehme Gefühle sind Wegweiser
Angst, Wut oder Trauer sind keine Fehlfunktionen. Sie sind Signale des Körpers und wichtige Wegweiser im inneren Erleben. Angst will schützen, Wut zeigt Grenzverletzungen auf, Trauer hilft uns, Verlust zu verarbeiten.
Wenn wir versuchen, diese Gefühle zu vermeiden oder zu unterdrücken, entfernen wir uns oft auch von unserer Lebendigkeit. Resilienz bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern die Fähigkeit zu entwickeln, Angst zu spüren, ohne von ihr überwältigt zu werden.
Trauma ist Teil des Lebens
Trauma wird oft als etwas Abnormales betrachtet. Doch traumatische Erfahrungen gehören leider zum Leben dazu. Sie entstehen, wenn eine Situation so überwältigend war, dass unser Nervensystem die mobilisierte Überlebensreaktion nicht vollenden konnte - sei es Kampf, Flucht oder Erstarrung.
Genau hier setzt die Arbeit mit dem Stress-Toleranz-Fenster an: Anstatt Stress und Trauma bekämpfen zu wollen, können wir lernen, unser Toleranzfenster zu erweitern, indem wir schneller erkennen, wann es kippt, wie viel wir selbst aushalten und wie wir uns wieder regulieren. Auf meiner Übersichtsseite hier zeige ich diesen Zusammenhang auch grafisch.
So finden wir zurück zum natürlichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung und wieder mehr Sicherheit im eigenen Körper, auch wenn es im Aussen stürmt.
In meiner Praxis in Rüschlikon bei Zürich-Wollishofen begleite ich Menschen mit Somatic Experiencing® dabei, diesen natürlichen Rhythmus wiederzufinden. Wir kämpfen nicht gegen Symptome an, sondern unterstützen das Nervensystem dabei, festgehaltene Energie behutsam zu lösen.
Das Ziel ist nicht ein Leben ohne Stress. Das Ziel ist ein Leben, in dem du flexibel auf die Wellen des Lebens reagieren kannst - mit mehr Verbundenheit mit dir selbst und anderen.






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